Willkommen zuhause…

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Rückblickend, auch noch nach ein paar Jahren, war meine Zeit in England anstrengend schön. Diese Worte beschreiben es ganz gut, denn neben den vielen schönen Dingen, die ich erfahren, erlebt und auch erlernt habe, musste ich auch die Schattenseiten, die dreckigen Gossen des Lebens wieder kennenlernen. Aber es gehört dazu und es ist meine Entscheidung, wie ich damit umgehe.

Deshalb verbuche ich es als Erfahrung im positiven, wie auch im negativen Sinn. Ich durfte sehr viel über mich lernen und blicke immer noch gern zurück. Die vielen Ausflüge, die wunderschöne Landschaft und auch die englische Sprache werden immer einen wichtigen Part in meinem Leben haben. Ich habe mir bewiesen, dass ich alleine klarkomme, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Zuhause angekommen war es am Anfang natürlich sehr schwer wieder in das Sozialgefüge (m)einer Familie zu finden. Aber auch dass habe ich gemeistert und kann jetzt schreiben, dass ich ein stärkerer Mensch geworden bin.

Ich denke, es ist sehr wichtig Dinge auch alleine anzugehen, denn wenn ich zu mir selbst eine gute Beziehung habe, dann kann ich auch zu anderen wundervolle, bereichernde und tief gehende Beziehungen aufbauen. In diesem Sinne: Traut Euch!

 

Plymouth

Plymouth war eine meiner letzten großen Reisen, bevor es wieder in Richtung Heimat ging. Auch in Südengland, wenn auch ein wenig abgeschwächt, kommt irgendwann der Winter. So begrüßte mich Ende November Plymouth sehr stürmisch. Nach einer langen Busfahrt kam ich an der Bus Station an und musste mich einmal mehr orientieren. Denn mein Busticket galt nur für den regionalen Fernverkehr und den Nahverkehr in Exeter. Und da ich kein Ticket kaufen wollte, musste ich wohl oder Übel zu Fuß den Weg finden. Wo wollte ich hin?

Ins National Marine Aquarium. Wo sonst sollte ich bei einem eher typisch englischen Wetter auch hin wollen. Und diese Entscheidung war genau richtig, denn pünktlich bei meiner Ankunft, fing es an zu regnen. Das Aquarium ist das größte im Vereinten Königreich und hat einiges zu bieten. Neben großen Stachelrochen, die gerne mal an den Scheiben entlang „rutschen“, gibt es nämlich auch Ammen- und Sandtigerhaie.

Nach einem wunderschön entspannten Tag, und unzähligen Fotos mehr auf meiner Speicherkarte, hatte ich am Nachmittag noch ein wenig Zeit Plymouth zu erkunden. Und nehmt es mir nicht übel, oder haltet mich für plötzlich völlig umnachtet, aber mir war nicht bewusst, dass die berühmte Mayflower von diesem Hafen aus gestartet ist. Ein paar Gedenkstufen haben mich aber eines Besseren belehrt. Nach einem Spaziergang auf der befestigten Stadtmauer, denn Plymouth ist einer der größten Marinehäfen in Westeuropa, machte ich mich dann wieder auf den Weg nach Exeter.

 

We bought a Zoo

DZP - Dartmoor Zoological Park

Vielleicht kennt Ihr den Film, falls nicht unbedingt anschauen. Er ist ein schönes modernes Märchen beruhend auf einer wahren Begebenheit. Als letzten großen Ausflug habe ich mir den berühmten „Dartmoor Zoological Park (DZP)“ ausgesucht. Ja auch in England kann man ohne Probleme im Winter einen Zoo besuchen, das Wetter ist ja wunderbar mild. Gut manchmal regnet es ein wenig, aber daran habe ich mich inzwischen gewöhnt.

Eine Fahrt durch halb Devon

Von Exeter ist es ein kleines Abenteuer, um nach Sparkwell, Devon zu gelangen. Früh um halb sieben stand ich also an der Bus Station und wartete auf den Bus nach Plymouth. Ungefähr 1 1/2 Stunden brauche ich für die Fahrt und mein Trip war noch nicht zu Ende. In Plymouth angekommen, musste ich noch eine Regionalbuslinie finden, die in das niedliche Örtchen Sparkwell fuhr. Gesagt getan und ich war froh, dass um diese Uhrzei drei Tierpfleger in die gleiche Richtung wollten. So konnte ich mich an ihnen orientieren, denn auch hier wurden keine Haltestellen angesagt.

Die lange Anreise lohnt sich

Punkt zehn Uhr kam ein Volontär und öffnete die Tür zum Zoo. Und gleich zu Anfang eine Überraschung: der Eintritt war an diesem Tag frei, um eine Spende wurde aber gebeten. Denn der Besitzer Benjamin Mee startete genau an diesem Tag eine Crowdfunding Aktion. Er will seine „Schulden“ zurückzahlen und eine Art gemeinnützige Organisation aus dem privaten Zoo machen.

Aber ich sag Euch, bei diesem Zoo, gebe ich gerne 15 Pfund. Schon der Eingang strahlte so viel Herzlichkeit und Engagement aus. Wenn Ihr bedenkt, dass der Zoo kurz vor der Schließung war, ist die Wandlung enorm. Am besten Ihr schaut Euch wirklich den Film an, dann könnt Ihr meine Faszination vielleicht besser verstehen.

Heulende Wölfe, posierende Großkatzen und eine Abreise der besonderen Art

Sage und Schreibe sechs Stunden streunte ich durch den Zoo und machte Tausende von Fotos. Am faszinierenden fand ich die Wölfe. Nur einen Meter Abstand – so nah hatte ich einen Wolf noch nie gesehen. Und dieses Rudel war „Menschen“ gewöhnt, denn seit ein paar Jahren lebt einer unter ihnen. Was sich zu diesem Zeitpunkt vor den Türen des Zoos abspielte, bekam ich nicht mit. Als ich aber den Bus zurück nach Plymouth erwischen wollte, bekam ich einen Eindruck von englischer Unterstützung. Tausende von Menschen hatten sich an diesem Wochenende auf den Weg gemacht, um ihren Dartmoor Zoo zu unterstützen. Die Folge: Die kleine Straße zum Zoo war verstopft. Und wer schon einmal in England war, weiß, dass die Engländer gerne sehr enge Straßen bauen. Die sehen im Normalfall romantisch aus, aber wenn Bus und Auto aufeinandertreffen, geht leider nichts mehr. Und so saß ich in einem Bus nach Plymouth der keinen Zentimeter vorwärts kam.

Übrigens: im wahren Leben war es nicht ein Bär, der abgehauen ist, sondern ein cleverer Jaguar. Der hatte aber nicht vor die Bewohner von Sparkwell zu fressen, sondern den Tigern von Nebenan klar zu machen, wer der Boss im Zoo ist.

Hier könnt Ihr die gesamte Story des Zoos lesen.

Ich glaub mich knutsch ein Elch

Im wahrsten Sinne des Wortes, denn es geht auf Weihnachten zu. Und Ihr glaubt nicht, welchen Exportschlager ich auf dem Platz vor der Kathedrale in Exeter entdeckt habe?

Den Weihnachtsmarkt!

Und zwar einen waschechten Deutschen. Mit Gluhwein, Bratwurst und Co. Alles, was das Herz begehrt. Und das Schöne ist, dass der Weihnachtsmarkt nicht einfach nur nachgebaut wird, nein er wird importiert. Von Deutschen. Scheint ein gutes Geschäft zu sein, denn in England sind die „german christmas market“ schwer angesagt. Ich selbst, bin in der Heimat ja nicht so der Weihnachtsmarkt-Gänger, aber nach fast drei Monaten mit schlechtem Essen, hab ich mich sehr auf eine Bratwurst gefreut.

Das Lustige, für mich war das alles nichts Neues, doch die Spanier sind völlig ausgerastet. Jede freie Minute haben sie auf den Markt verbracht, dabei gab es nichts Neues. Ich musste mich derweil wieder an das Deutsche gewöhnen, denn es war schon sehr komisch inmitten der englischen Sprache, die „harte“ Sprache von den Händlern zu hören. Aber irgendwie war es auch schön die Heimat zu spüren, gerade so kurz vor Weihnachten!

Social Night in Exeter

Endlich haben wir es geschafft! Nachdem ich mehrmals TTPL wegen einem Student Meeting in Exeter angesprochen habe, geschieht nun tatsächlich das Unmögliche. Statt jeden Donnerstag je eine Stunde nach Torquay zu tingeln, treffen sich die Exeter People nun in ihrer „Heimatstadt“. Dies ist sehr praktisch, denn nun können wir uns alle mal richtig kennenlernen und Pläne schmieden für die restlichen Wochen. Schade, dass dies nicht eher passiert ist.

Siebentes Student Meeting

Nun hat es mich tatsächlich auch erwischt. Dabei ist es nicht das typische englische Wetter gewesen, welches mir eine dicke, fette Erkältung verschafft hat, sondern die Kollegen auf Arbeit. Da die Krankenversicherung hier in England ein wenig anders tickt als bei uns, bekommen die „Kranken“ die ersten drei tage kein Geld. Es sei denn, der Arbeitgeber übernimmt den Teil.

Nun könnt ihr euch vorstellen, dass viele einfach krank auf Arbeit gehen. Und ich hatte fast vier Wochen eine Bronchitis neben mir sitzen. Also kein Wunder, dass mein Immunsystem sich irgendwann nicht mehr wehren kann. Und nun muss ich mit fiesem Schnupfen und Kopfschmerzen das „Student Meeting“ im Bett verbringen.

Gesellschaft leisten mir ein paar Pillen, die ich gestern in einem ganz normalen Supermarkt gekauft habe. Was ich auf der einen Seite sehr praktisch finde, denn so musste ich nicht noch zusätzlich zur Apotheke, aber in Sachen Jugendschutz, ist das recht grenzwertig.

Das Medikament ist so eine Mischung aus Paracetamol, Vitamin C und noch irgendeiner Zutat, die ich nicht kenne. Aber ich kann Euch sagen, die Dinger haben es in sich. Keine Ahnung ob es die Tabletten waren oder einfach nur der Infekt, aber ich hab vom gestrigen Arbeitstag nicht sehr viel mitbekommen. Außerdem machen die Tabletten sehr müde, aber Schlaf hilft ja gegen so fast alles.

Lustiges in Englisch

Manchmal ist es sehr lustig, wenn ich als Deutsche absolut untypische englische Worte entdecke und überhaupt nichts damit anzufangen weiß.

Da ich im Großen und Ganzen auf Arbeit meist mit den Änderungen beauftragt bin, habe ich auch ganz oft mit der Umgangssprache zu kämpfen. Die Kunden sind es eben gewohnt, schnell eine Korrektur durchzuführen und eben genauso schnell zu schreiben und auch abzukürzen. Sie können ja nicht wissen, dass die Änderungen eine Deutsche vollzieht. Nun saß ich eines Nachmittags wie ein Schwein vor dem Uhrwerk, weil ich nichts mit dem Begriff „asterisk“ anfangen konnte. Und leider war das Internet an diesem Nachmittag auch tot. Nach vielem rätseln, was denn dieses „asterisk“ sein könnte, musste ich schließlich fragen. Denn ich konnte mir eben nicht vorstellen, dass der Kunde eine Asterix-Figur in das Layout gesetzte haben wollte. Und bei meiner Recherche kam heraus: Ein asterisk ist ein Sternchen (*).

Als ich mich einmal mit einer Kollegin über Harry Potter unterhielt, fiel mir auf, dass sie genau wie wir vom Elder Stab sprach. Bis dato dachte ich immer, dass dieser besondere Stab ein Phantasiewort ist, aber wie sich herausstellte, heißt der Holunder im Englischen Elder. Nun war mir gleich klar, dass Elder nicht übersetzt wurde, denn es würde schließlich blöd klingen wenn Lord Voldemort mit dem Holunderstab bekämpft wird.

Remembrance Day

Heute war ich ein wenig verstört und auch traurig zugleich, denn in England wird am 11.November den Opfern der (Welt)Kriege gedacht. Ähnlich wie bei uns der Volkstrauertag, werden an den Denkmälern Blumen niedergelegt. In England und dem Commonwealth gibt es die sogenannte Remembrance Poppy, eine kleine wunderschöne rote Mohnblüte. Überall auf der Straße tragen die Engländer diese Blumen, auf Schals, als Krawatte, am Hut oder eben als Ansteckblume, um den Kriegsopfern zu gedenken. Und um zwölf Uhr mittags gibt es eine Schweigeminute im ganzen Land.

Nun fragt ihr Euch bestimmt, warum ich traurig bin? Nun ich wurde gefragt, ob wir in Deutschland auch am 11.11. den Opfern der Kriege gedenken. Leider musste ich es verneinen und verwies auf den Volkstrauertag, der zwei Sonntage vor dem 1. Advent „gefeiert“ wird. Was ich verschwiegen habe, ist, dass wir Deutschen doch tatsächlich am 11.11. Karneval feiern, während das gesamte Commonwealth trauert. Ein bisschen komisch ist das schon, oder?

Unterschiede No.4

E-Zigarette Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung ob es in Deutschland genauso verbreitet ist wie hier: Die E-Zigarette. Aber mir sind noch nie so viele Menschen damit aufgefallen. Sie ist sehr praktisch, denn dadurch, dass der Rauch nicht riecht, kann sie quasi überall geraucht werden. und noch etwas ist mir aufgefallen. Da die Zigaretten hier sehr teuer sind, drehen viele Menschen sich ihre Zigaretten selbst. Ich sehe viel öfters Menschen mit selbst gedrehten Zigaretten, als mit gekauften.

Freundlichkeit im Alltag Diese Angewohnheit, ob antrainiert oder nicht, würde ich gerne für Deutschland übernehmen. Ich finde es einfach nur angenehm, wenn ich im Alltag „Bitte“ und „Danke“ höre und meine Mitmenschen in der Heimat finden es nach ersten Zweifeln, auch. Selbst der Busfahrer, denn ich „Guten Morgen“ und „Auf Wiedersehen“ sagte, hatte danach ein Lächeln im Gesicht. In England ist es noch ein wenig zugespitzt, denn dort bedankt sich jeder Gast beim Fahrer, wenn er den Bus verlässt. Ich vermute, wenn ich dies in Deutschland machen würde, käme die Polizei.

Shopping Mall und kleine Läden In den etwas größeren Städten ist es ja normal, dass große Shopping-Center und kleine Läden nebeneinander existieren. In England ist mir aufgefallen, dass die kleinen Örtchen, viel Wert auf ihre Individualität legen. Und zu dieser gehören eben auch die vielen kleinen Mädchen mit den unterschiedlichsten Angeboten. Ich persönliche shoppe lieber in kleinen Geschäften, da fühle ich mich nicht so überfordert.

Fahrstil Außer, dass in England ziemlich links gefahren wird, haben die meisten Engländer auch einen sehr zügigen und rasanten Fahrstil. Ich bin sonst kein länglich nach dem Haltegriff greifender Beifahrer, aber bei einigen englischen Fahrern, hab ich vorsorglich mein Testament gemacht. Vielleicht lag es auch an der ungewohnten Fahrseite, aber zu schnell sind sie auf jeden Fall gefahren.